1 Der Alte Friedhof Gildkamp

Kirchhöfe und Friedhöfe haben eine gemeinsame Bedeutung, auf beiden Plätzen werden Verstorbene zur Erde bestattet. In vorchristlicher Zeit gab es, wie heute auch wieder, eine Verbrennungskultur.

Seit es Kirchen gab umgaben die Bestattungsplätze die Kirchen, so entstand der Begriff des Kirchhofes. Zu Anfang der Christianisierung fanden in der Übergangszeit noch zahlreiche Verbrennungen statt. In der Regierungszeit Karls des Großen um das Jahr 800 hatte deshalb der Dorfschulze zu prüfen, ob sich in dem Sarg der Körper des Verstorbenenn befand, oder ob man das Behältnis mit Steinen gefüllt hatte, da der Leichnam schon verbrannt worden war. Der Schulzenhof lag meistens in der Nähe der Kirche. In Nordhorn befand sich der Schulzenhof Busch im alten Dorf zwischen der heutigen Lingener Straße, der Altendorfer Straße und der Lange Straße. Dieser Kirchhof blieb bis zum Jahre 1875 in Gebrauch. Ein Grabstein, das Monument des Richters Weber aus dem Jahre 1821 ist bis heute noch an der Südseite der Alten Kirche am Markt erhalten. In unserer Gegend war es üblich, dass zu einem Haus der Lebenden auch ein Haus der Toten gehörte. Das bedeutet, dass zu jedem von einer Familie gebautem Haus auch ein Grabplatz auf dem Kirchhof auszuweisen war.

In der napoleonischen Zeit im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts sollten die Kirchhöfe innerhalb der Städte geschlossen und aus hygienischen Gründen am Rande der Ortschaften als Friedhöfe neu angelegt werden. Eine Ausnahme von dieser Regelung war möglich, wenn zwischen Kirchhofsgrenze und dem nächstmöglichen Haus ein größerer Abstand, etwa 120 Ellen, vorhanden war. In Nordhorn war dies gegeben und der Kirchhof blieb zunächst erhalten. Im Jahr 1875 wurde er dann entwidmet.

Schon in den Jahren 1868/69 befasste sich der Kirchenrat mit dem Vorhaben auf dem Gildkamp einen größeren Friedhof anzulegen. Der Platz um die Kirche herum war durch die Begrenzung zwischen der Lingener Straße und dem damaligen Lauf der Vechte zu klein geworden.

Ein großer Teil der Grundstücke auf dem Gildkamp befand sich im Urbesitz der Kirche, weitere anliegende Grundstücke wurden von der Familie Hemmers hinzugekauft. Die Planung sah in der Mitte des Geländes eine Allee zwischen Gildkamp und dem Hohenkörbener Weg vor. Von dieser Allee aus waren die Grabstellen und die Einzelgräber über schmale Wege zu erreichen. Der Haupteingang befand sich auf dem Gildkamp. Alle Leichenzüge hatten diesen Eingang zu benutzen. Das galt auch, wenn die Leichenzüge aus Bookholt, Bimolten und Hohenkörben kamen. Um den Friedhof herum waren von Hecken eingefriedete Stiegen angelegt. Sie dienten zur Verrichtung der Notdurft und waren für Männer und Frauen getrennt.

Das Projekt QR-Code wurde durch die Grafschafter Sparkassenstiftung gefördert